Vor- und Nachteile von PU-Schaum

Bauschaum: Arten, Anwendungsbereiche & Anleitung

Mit Bauschaum kann man ruckzuck Hohlräume füllen. Doch so einfach ist die Anwendung nicht. Vor allem billige 1-K-Schäume können nach Aushärtung schrumpfen. Und auch gesundheitliche Aspekte muss man bei der Anwendung von Bauschaum berücksichtigen.

Eine Kelle mit orangem Griff liegt neben einem Ziegelstein, auf dem ein Klumpen türkisfarbener Bauschaum aufgebracht ist.
Bauschaum ist vielseitig einsetzbar. Foto: sidm / Michael Müller-Münker
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Bauschaum, auch Montageschaum oder PU-Schaum genannt, ist ein Polyurethan-Schaum (PU), der sich bei Kontakt mit Luft (1-Komponenten-Schaum) oder durch eine chemische Reaktion (2-Komponenten-Schaum) ausdehnt und schließlich aushärtet.

Bauschaum wird dazu verwendet, Fugen, Spalten und Hohlräume abzudichten und zu dämmen. Er ist vielseitig einsetzbar, kommt aber am häufigsten beim Einbau von Fenstern und Türen zum Einsatz, um die Tür- und Fensterrahmen schall- und wärmedämmend mit dem Mauerwerk zu verbinden.

Die verschiedenen Arten von Bauschaum

Grob lässt sich Bauschaum in zwei Arten aufteilen: 1-Komponenten-Schaum (1-K) und 2-Komponenten-Schaum (2-K). Bei 1-K-Schaum befinden sich der Polyurethan-Schaum und das Treibmittel im selben Behälter. Bei 2-K-Schaum befindet sich in einem zweiten Behälter innerhalb der Dose noch ein Härter. Durch Drehen des Bodens wird dieser freigesetzt, sodass er sich mit dem PU-Schaum verbindet. Die Reaktion der zwei Komponenten sorgt bei 2-K-Schaum für das Aushärten des Bauschaums. 1-K-Schäume erhärten hingegen durch eine Reaktion mit Luftfeuchtigkeit von außen nach innen.

Die Grafik zeigt den Aufbau einer 1-K- und einer 2-K-Bauschaumdose mit Sprührohr, Sicherheitsventil, Treibmittel, Behälter und Härter.
1-Komponenten-Schaum (links) im Vergleich zu 2-Komponenten-Schaum (rechts) Foto: PDR

Neben diesen zwei übergeordneten Arten des Bauschaums gibt es noch diverse Spezialsorten:

  • Fensterschaum & Tür-/Zargenschaum: Ein spezieller spreizdruckfreier Bauschaum, der sich nicht so stark ausdehnt. So wird verhindert, dass Druck auf die Fenster- und Türrahmen ausgeübt wird. Er muss außerdem bestimmte Anforderungen an die Elastizität erfüllen, möglichst schalldämmend wirken und Temperaturschwankungen gut wegstecken.

  • Klebeschaum: Ein Bauschaum, der besonders gut klebt, und daher vor allem für das Anbringen von Dämmplatten (WDVS) oder Gipskartonplatten verwendet wird.

  • Pistolenschaum: Dies ist kein separates Produkt, sondern lediglich eine andere „Verpackung“. Während normaler Bauschaum in Dosen mit aufschraubbarem Röhrchen verkauft wird, ist Pistolenschaum in Kartuschen erhältlich, für die eine spezielle Schaumpistole benötigt wird. Vorteil: Mit Schaumpistolen kann der Schaum besser dosiert werden.

Eine Hand bringt mit einer Schaumpistole Bauschaum in den Spalt zwischen Fensterrahmen und Wand ein.
Mit Schaumpistolen lässt sich Schaum feiner dosieren und präziser ausbringen. Foto: Claudio Kalex
  • Winterschaum: Für die Verwendung bei besonders kalten Temperaturen. Er ist kälteunempfindlich bis -10 bzw. -20 °C.

  • Brunnenschaum: Ein komplett wasserdichter Schaum, der dort verwendet werden kann, wo stehendes Wasser ein Problem darstellt, etwa Rohre oder Brunnenschächte.

Anwendungsbereiche: Hier wird Bauschaum typisch eingesetzt!

Türen einbauen

Vor allem Innentüren kann jeder problemlos selbst einbauen. Da hierbei weder Wärmedämmung noch Feuchteschutz eine Rolle spielen, muss der Hohlraum zwischen Zarge und Mauerwerk nicht vollständig ausgefüllt werden. Schäumen Sie also nur punktuell aus – rund 20 bis 30 Prozent der aufrechten Zargenfläche müssen verklebt sein. Wichtig: Vorab müssen Sie die Zarge genau ausrichten und mit Keilen und Spreizen fixieren.

Die Galerie zeigt, wie Sie die Türzargen spreizen und dann mit Bauschaum fixieren:

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Eine Tür mit weißem Türrahmen, innen quer eine Holzleiste eingespannt, daneben Lichtschalter und Steckdose.
Vor allem Innentürzargen muss man gut spreizen, bevor man ausschäumt. Foto: Claudio Kalex
Eine Hand hält einen weißen Türrahmen, eine zweite Hand schlägt mit einem Hammer einen Keil am Türrahmen fest.
Daneben sollte man die Zarge vorher ausrichten und entsprechend verkeilen. Foto: Claudio Kalex
Eine Hand sprüht Bauschaum mit einer Dose in den Spalt zwischen Türrahmen und Wand.
Am besten Tür-/Zargenschaum verwenden; innen nur punktuell ausschäumen. Foto: Claudio Kalex
Eine Hand schneidet mit einem Cuttermesser überschüssigen grünen Bauschaum am Türrahmen ab.
Nach Erhärtung Spreizen/Keile entfernen, Schaumüberstände abschneiden. Foto: Claudio Kalex

Stabilere Haustürzargen muss man nicht zwingend spreizen, schaden tut es aber auch nicht. In jedem Fall werden Haustürzargen wie Fensterrahmen mit dem Mauerwerk verschraubt und die Hohlräume zwischen Wand und Zarge komplett mit wärmedämmendem Bauschaum ausgefüllt.

Zudem muss man außen Kompribänder und innen dampf-, luft- und wasserdichte Butylbänder über der ausgeschäumten Fuge einsetzen – Bauschaum allein sorgt für keine ausreichende Bauwerksabdichtung, sofern es um eine gedämmte Wohnwand geht.

Fenster fixieren und dämmen

Bauschaum haftet in der Regel nicht auf Silikon und PE, PP und PTFE. Möchte man also Rundschnüre aus diesem Material beim Fenstereinbau einsetzen, kann man sie nicht mit Montageschaum überdecken. Bei der Fensterabdichtung kommt also erst der Schaum und dann die Schnur, nicht umgekehrt. Verwendet man gut dämmenden Schaum und füllt damit die Mauerwerksfuge rundum, kann man aber auch auf Rundschnüre verzichten.

Ein Akkuschrauber wird verwendet, um einen Fensterrahmen mithilfe von Holzkeilen und Dübeln in einer Wand zu befestigen.
Kunststofffenster gut verkeilen, dann erst verschrauben und ausschäumen. Foto: Claudio Kalex

Unverzichtbar dagegen sind außen Kompribänder und innen dampf-, luft- und wasserdichte Butylbänder, vor allem bei gedämmten Außenwänden und hochwertiger Wärmeschutzverglasung. Vorsicht beim Ausschäumen: Gerade Kunststofffensterrahmen können durch zu viel Bauschaum nach innen gedrückt werden. Spätestens ab einer Breite und Höhe von etwa 1200 mm sind Fensterrahmen deshalb zu spreizen. Unabhängig von der Größe sollte man die Fenster vorher grundsätzlich mit Rahmendübeln in der Wand befestigen.

Fugen und Löcher mit Bauschaum füllen

Bauschäume eignen sich gut zum Füllen und Dämmen von Mauerdurchbrüchen und Hohlräumen, zum Beispiel an Rollladenkästen. Außerdem lassen sich Rohrdurchbrüche bei der Befestigung und Isolierung von Wasser- und Heizungsrohren damit füllen. Sogar zum Abdichten von Anschlüssen an Dächern, Wänden und Decken und zum Verkleben von Bauelementen kann man Montageschaum einsetzen.

Weiße Schaummasse umschließt den Sockel einer Betonsäule, daneben steht eine Dose Bauschaum mit montiertem Sprührohr.
Fugen bei der Dämmung der obersten Geschossdecke kann man mit Bauschaum füllen. Foto: Claudio Kalex

Schritt für Schritt: Bauschaum richtig anwenden

Untergrund vorbereiten

Bauschaum haftet nicht auf PE, PP, Silikon und Teflon. Der Untergrund sollte vor der Anwendung gesäubert werden, damit er frei von Staub und Fett ist. Angrenzende Flächen am besten vorher abdecken.

Verwenden Sie 1-K-Schaum, muss der Untergrund vor dem Einsatz gut befeuchtet werden, nur so härtet der Bauschaum richtig aus. Kann er nicht schnell genug Feuchtigkeit aufnehmen, zieht er noch tagelang Feuchtigkeit aus der Luft und quillt in dieser Zeit auch immer noch weiter auf.

Die Temperatur spielt bei der Anwendung ebenfalls eine wichtige Rolle. Zwischen 5 und 25 °C ist der ideale Temperaturbereich. Viel heißer und der Schaum kann sich verflüssigen, viel kälter und der Schaum wird zäh und brüchig. Für den Einsatz in besonders kalten Temperaturen sollten Sie auf speziellen Winterschaum zurückgreifen.

Bauschaum verarbeiten

  1. Schütteln: PU-Schaum-Dosen vor der Verarbeitung immer gut schütteln.

  2. Härten: Bei 2-K-Schaum muss der Härter vor der Verwendung aktiviert werden. Er lässt sich meist durch eine Drehung des Bodens freisetzen.

  3. Sprühen: Mit dem Ventil nach unten halten und senkrechte Fugen immer von unten nach oben ausschäumen.

Beachten Sie, dass Bauschaum sich um das Dreifache ausdehnen kann. Gehen Sie also beim Sprühen immer schrittweise vor!

Vorsicht: Hoch entzündlich!

Die Aerosole, die bei der Verwendung von Bauschaum freigesetzt werden, sind hoch entzündlich. Vermeiden Sie daher offene Flammen, wenn Sie Bauschaum verwenden, und arbeiten Sie nicht mit PU-Schaum, wenn in der Nähe geschliffen wird oder anderweitig Funken fliegen.

Trocknung und Aushärtung

Bevor man Überstände abschneidet, immer die komplette Aushärtung abwarten. Angaben dazu finden sich auf der Dose oder in Merkblättern (siehe Homepage des Herstellers).

Weiße Bauschaummasse umschließt den Fuß eines Holzbalkens auf hellen Fliesen, daneben liegt ein blaues Cuttermesser.
Der Schaum muss richtig ausgehärtet sein, bevor man die Überstände zum Boden abschneidet. Foto: Claudio Kalex

Grob lässt sich sagen, dass 1-K-Schaum mehrere Stunden benötigt, um vollständig auszuhärten. Acht Stunden sind ein guter Richtwert, doch idealerweise warten Sie 24 Stunden. Nur dann ist sichergestellt, dass er sich nicht mehr signifikant ausdehnt.

2-K-Schaum ist durch den enthaltenen Härter hingegen nach einer Stunde hart und schnittfest.

Bauschaum zu verwenden ist eine Sache, eine ganz andere, ihn wieder zu entfernen, denn das ist gar nicht mal so einfach:

Wie lange hält Bauschaum?

Bauschaum verrottet nicht im eigentlichen Sinne. Er ist beständig gegenüber Witterung und selbst gegen Feuchtigkeit, solange er nicht permanent unter Wasser steht – und selbst für diesen Sonderfall gibt es Brunnenschaum.

Einzig UV-Strahlung zersetzt Bauschaum und macht ihn mit der Zeit brüchig. Der Schaum sollte daher niemals so verwendet werden, dass er direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Außen eingesetzt muss er abgedeckt oder verputzt werden.

Ein Mann mit Schutzbrille und Handschuhen sprüht Bauschaum in eine Lücke zwischen Ziegelwand und Türrahmen.
Ideal zum Füllen mit Bauschaum sind innenliegende Hohlräume im Mauerwerk. Außen muss man Vorsicht walten lassen: Bauschaum ist weder UV-stabil noch wasserdicht! Foto: Hersteller / Soudal

Angebrochene Dosen 1-K-Bauschaums muss man nicht direkt entsorgen. Während 2-K-Schaum zügig verwendet werden muss, sobald der Härter freigesetzt wurde, kann man 1-K-Bauschaum noch einige Wochen später weiterverwenden.

Vor- und Nachteile: Hier kommt Bauschaum an seine Grenzen

Bauschaum ist vielseitig einsetzbar, aber das heißt nicht, dass er zu jedem Zweck eingesetzt werden kann und darf. Wir haben die Vor- und Nachteile von Montageschaum in einer übersichtlichen Tabelle aufgelistet:

Vor- und Nachteile

Vorteile

Nachteile

Einfache Anwendung

Schwer zu entfernen

Schnelle Verarbeitung

Gesundheitsschädlich (Sicherheitshinweise beachten)

Sehr beständig

UV-empfindlich

Gute Dämmeigenschaften

Nicht belastbar

Sicherheitshinweise

Einkomponenten-Schäume benötigen oft viel Zeit zum Aushärten und Schrumpfen später mitunter etwas. Das Problem haben Zweikomponenten-Schäume nicht. Sie enthalten allerdings oft eine höhere Dosis gesundheitsschädlicher Stoffe. Nicht ohne Grund verfügen sie meist nicht über das Emicode-Zertifikat EC1 oder – noch emissionsärmer – EC1 plus.

Einer der Gefahrenstoffe nennt sich MDI, ist als krebserzeugend eingestuft und mehr oder weniger immer in Bauschaum enthalten, sofern nicht explizit darauf hingewiesen wird, dass er MDI- bzw. isocyanatfrei ist. Privatanwender sollten also vorsichtig sein und die Angaben auf den Dosen oder in Datenblättern beachten.

Bei der Verarbeitung immer Schutzhandschuhe, Schutzbrille und Atemschutzmaske tragen sowie auf eine gute Belüftung achten!

Bauschaum umweltbewusst entsorgen

PU-Schaumdosen sind wegen ihres MDI-Gehalts (gesundheitlich problematischer Inhaltsstoff) als gefährlicher Abfall deklariert und dürfen nicht im Baumischcontainer, gelben Sack oder Restmüll entsorgt werden. Man muss sie bei kommunalen Sammelstellen oder im Handel zurückgeben. Entsorgungsunternehmen wie PDR recyceln dann die Produktreste.

Häufige Fragen und Antworten zum Thema „Bauschaum“

Sie haben noch Fragen zur Anwendung von Bauschaum? Dann haben wir hier einmal die häufigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengefasst:

Vorab: Zu viel Schaum zu benutzen, ist ein häufiger Anfängerfehler bei der Verwendung von PU-Schaum, allerdings halb so wild. Sobald der Schaum ausgehärtet ist, lässt er sich problemlos zuschneiden. Andere Fehler sind hingegen schwerer zu beheben:

  • Nicht genug schütteln: Verhindert einen gleichmäßigen Ausfluss.

  • Falsche Lagerung/Temperatur: Überhitzung erhöht Explosionsgefahr, Auskühlung lässt den Schaum brüchig werden

  • Falscher Einsatzort: Ungeeignete und/oder schmutzige Flächen führen zu einer schlechten Haftung.

  • Ungeduld beim Aushärten: Nicht komplett ausgehärteter Bauschaum kann neim Schneiden in sich zusammenfallen.

Bauschaum ist vielseitig verwendbar, aber er besitzt keine tragenden Eigenschaften. Muss die Füllung daher stabil, tragend und beständig sein, sollte stattdessen auf Mörtel zurückgegriffen werden.

Für Anschlussfugen und an Orten, die einen besonderen Brandschutz erfordern, ist Mineralwolle die bessere Wahl. Sie ist nicht entzündlich und ist anpassungsfähiger bei Materialausdehnung.

Ökologisch ist Bauschaum ebenfalls nicht die erste Wahl. Die darin enthaltenen Chemikalien belasten die Gesundheit und die Umwelt. Gute ökologische Alternativen sind Hanffasern, Schafwolle, Kork und Jute.

Es gibt keinen Unterschied. Bauschaum und Montageschaum sind unterschiedliche Wörter für ein- und dasselbe Produkt: PU-Schaum.

Vollständig ausgehärteter Bauschaum lässt sich problemlos verputzen, streichen oder überkleben. Damit Putz und Farbe besser halten, ist eine Grundierung sinnvoll.

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